Perlentaucher - Online Kulturmagazin mit Presseschau, Rezensionen, Feuilleton

zuletzt aktualisiert 11.06.2026, 14.20 Uhr
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  • Perlentaucher-Debatte Literaturkritik im Netz: Angestoßen von Wolfram Schütte. Mit Beiträgen von Sieglinde Geisel, Jan Dress und anderen
  • Daniele Dell'Agli: Aufruhr im Zwischenreich: Plädoyer für eine Befreiung des Themas Sterbehilfe aus dem Griff der Politik und mit ihr paktierender Verbandseliten
  • Monotheismus-Debatte im Perlentaucher: Angestoßen von Jan Assmann. Mit Beiträgen von Klaus Müller, Peter Sloterdijk und anderen
  • Die Beschneidungsdebatte: im Perlentaucher und in anderen Medien
  • Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
  • Der dänische Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
  • Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
  • Der 11.September: Eine Presseschau
  • Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Sortiert nach Datum | Rubriken

Freitag, 05.06.2026

9punkt - Die Debattenrundschau

Er klimpert so mit den Augen

05.06.2026 Wer wird Frankreichs nächster Präsident? Jordan Bardella jedenfalls nicht, da ist sich der Schriftsteller Georges-Arthur Goldschmidt im Welt-Interview ganz sicher. In der Türkei liegt die Nachfolgerin der CHP schon vor Erdogan, obwohl sie noch gar nicht gegründet wurde, berichtet Bülent Mumay in der FAZ. Ein Umzug der Zentralen Landesbibliothek an den Alexanderplatz könnte diesen verlorenen Ort vielleicht noch retten, ruft die taz. Und dass Deutschland seinen Platz im UN-Sicherheitsrat wegen seiner Israel-Solidarität verloren hat, ist keine Schande, findet die Welt. 

Efeu - Die Kulturrundschau

Kantig in die Wolken gebaut

05.06.2026 Die Welt ärgert sich, dass mehr als siebzig Künstler bei der Biennale in Venedig ihre Teilnahme an der Preisverleihung durch das Publikum boykottieren. Die FAZ liest Boualem Sansals neues Buch auch als wütenden Versuch, die Hoheit über die eigene Geschichte zurückzugewinnen. Die nachtkritik erlebt dank der polnischen Regisseurin Magda Szpecht in Dortmund, wie es sich anfühlt, als Frau an der ukrainischen Front zu kämpfen. Der Guardian lernt in London Bescheidenheit mit M. C. Escher. Und alle trauern um Marjane Satrapi, die "Chronistin einer verlorenen Generation", wie Zeit Online erinnert.

Bücherschau des Tages

Männer zwischen zwei Pfosten

05.06.2026 Die NZZ kann nur bewundern, wie Junko Takase mit Hilfe der Instantnudel eine reichhaltige Gesellschaftskritik serviert. Die SZ lässt sich von den Geschichten, die Gaito Gasdanow als Nachttaxifahrer in Paris erlebte, nur zu gern beunruhigen. Als feines Porträt einer Beziehung zwischen Mutter und Tochter liest die taz Marie-Louise Monrad Møllers Roman "Viel wichtiger ist jetzt die Gegenwart". Schlicht genial findet der Dlf, wie Ian Kumekava die Geschichte der globalen Wirtschaft anhand zweier Schiffe erzählt.

Samstag, 06.06.2026

9punkt - Die Debattenrundschau

Es ist für euer Schweigen

06.06.2026 In der FR fürchtet der belarusische Schriftsteller Alhierd Bacharevič den Dritten Weltkrieg und auch der russische Schriftsteller Viktor Jerofejew schließt in der Welt nicht aus, dass Putin einen Atomkrieg einer Niederlage vorzieht. Dabei halten ihn selbst die ultranationalistischen Militärblogger für wahnsinnig, weiß der russische Journalist Iwan Filippow im Tagesspiegel. Europäische Regierungen hätten längst mit Russland verhandeln müssen, meint Angela Merkel indes in der FAS. KI wird keine Fachkraft ersetzen, nur mehr Arbeit machen, glaubt der Soziologe Florian Butollo in der SZ.

Efeu - Die Kulturrundschau

Ein Prozess ständiger Metamorphosen

06.06.2026 Auch seriöse Autorenfilmer wie Martin Scorsese und Steven Soderbergh arbeiten jetzt mit KI-Unternehmen zusammen: Vielleicht kann so die Vision des Regisseurs genauer umgesetzt werden, überlegt die NZZ. Die Literatur der DDR ist spätestens nach der Wende "ausradiert" worden, behauptet Carsten Gansel in seinem neuen Buch - die SZ ist skeptisch. Die Welt feiert in einer Jasper Johns Retrospektive im Guggenheim Bilbao die Möglichkeiten der Malerei. Und der Tagesspiegel hat in der Zitadelle Spandau eine beunruhigend sinnliche Begegnung mit einer Hitler-Büste. 

Bücherschau des Tages

Ma Dalton als Märchenerzählerin

06.06.2026 Die FAZ versucht mit Gusel Jachina das Rätsel um die Film-Legende Sergej Eisenstein zu lösen. Die FAS lobt Patrick Radden Keefes Buch "Der Sohn des Oligarchen", das die dunklen Machenschaften der Londoner High-Society ausleuchtet. Die FR ist begeistert von der "Fülle des Tatsächlichen", die ihr aus Olivia Laings Roman über die Künstlerin Kathy Acker entgegenschlägt. SZ und Welt treffen bei Caro Claire Burke eine Tradwife, die eines Tages im 19. Jahrhundert aufwacht. Die taz vertieft sich in Joachim Bessings kuriose und düstere Erlebnisse in Addis Abeba. 

Montag, 08.06.2026

9punkt - Die Debattenrundschau

Die Chance wäre gewaltig

08.06.2026 Caroline Fetscher liest für die Frankfurter Hefte das kulturpolitische Programm der AfD für die Wahlen in Sachsen-Anhalt: Man fordert mehr Russisch. Die SZ fragt, bis wann eine Frau ein Mädchen ist. Die Stadt Düsseldorf kassiert ihren Plan für einen Opern-Neubau ein: So könnte es vielen Projekten ergehen, fürchtet die FAZ. Wenn es den Iranern gelingt, ihr islamistisches Regime abzuwerfen, wird eine weltpolitische Wende eintreten, meint der Historiker Kijan Espahangizi in der NZZ.

Efeu - Die Kulturrundschau

Defekte in der Matrix

08.06.2026 Wie funktioniert eigentlich Theater, fragen sich die Kritiker nach dem neuen Schimmelpfennig in Stuttgart. Ein Teheraner Revolutionsgericht hat die Haftstrafe gegen Jafar Panahi bestätigt, meldet die SZ. Nastassja Kinski hat in der Debatte mit Wim Wenders eher einen Pyrrhussieg errungen, kommentiert die Welt. Die NZZ ist hyped auf das Zürcher Konzert von Kaytranada. Antoni Gaudís Tod ist nun hundert Jahre her, die FAZ erinnert an seine Architektur zwischen Kunst und katalanischer Unabhängigkeit. Ebenfalls die FAZ bestaunt in Venedig die Kunst von Tadeusz Kantor, einem existenzialistischen Surrealisten. 

Bücherschau des Tages

Gegenwelt des Glücks

08.06.2026 Die NZZ bewundert, wie Peggy Mädler in ihrem DDR-Roman die Pulsfrequenzen ihrer das Glück suchenden Figuren erspürt. Die FR schwärmt von Daniela Chanas Gedichtband "Affäre mit einem Erzähler". Die SZ liest bei Antonio Scurati gebannt vom dunklen Ende Mussolinis. Für Dlf Kultur ist Oliver Bottinis Roman "Die Summe aller Dinge" über die Cum-Ex-Affäre der wichtigste Krimi des Jahres. Und Dlf feiert William Dalrymples Buch über den Aufstieg der East India Company als "Meisterwerk".

Dienstag, 09.06.2026

9punkt - Die Debattenrundschau

Kein Vermittler, sondern ein Verbündeter

09.06.2026 Nicht nur die Ukraine, auch ihre europäischen Partner zeigen größeres Selbstbewusstsein gegenüber Putin, freuen sich die Zeitungen. Die deutschen Yad-Vashem-Dépendancen sind, anders als Meron Mendel unterstellt, keine Agenturen der israelischen Regierung, insistiert Deborah Hartmann im Spiegel. In der Politik haben sich längst viele Männer als schwul bekannt, warum nicht im Fußball, fragt die taz. Und was ist Niedersachsen, fragt die FAZ.

Magazinrundschau

Bereits drei Drinks intus

09.06.2026 Der Guardian lernt die digitale Schattenökonomie Kubas kennen. Dekoder berichtet von militär-patriotischen russischen Trainingslagern für russische und entführte ukrainische Jugendliche. Die LRB taucht mit C. Thi Nguyen in die Welt des Spiels und der Bewertungssysteme ein. In Tvar ruft der tschechische Schriftsteller Jiří Kratochvil zu einer neuen engagierten Literatur auf. Artforum porträtiert die Künstlerin Gladys Nilsson und ihre Gruppe Hairy Who. In Elet es Irodalom ermuntert der Pianist Andras Schiff klassische Musiker zu mehr Aufklärung. Harper's frischt seine Esperanto-Kenntnisse auf.

Efeu - Die Kulturrundschau

Dur-Lyrik der Schockstarre

09.06.2026 Die SZ gratuliert Konstantin Richter zum Sachbuchpreis, Zeit online lobt die Nominiertenliste insgesamt als eine Feier der Qualität, die FAZ findet, man könnte auch mal ideenhistorische Bücher auszeichnen. Die FR lauscht beeindruckt den brutalen Spitzentönen in Rossinis Oper "Tancredi". Die FAZ stellt den aus seiner Heimat geflohenen, russischen Komponisten Dmitri Kourliandski vor, der sich gegen den Krieg engagiert.

Bücherschau des Tages

Eine Art Ehrerbietung

09.06.2026 Interessiert studiert die FAZ, wie Serhii Plokhy einen Bogen spannt zwischen dem Abwurf der ersten Atombombe und der Gegenwart des Ukrainekriegs. Im Comic von Flix und Reinhard Kleist reitet sie mit Lucky Luke und den Grimm-Brüdern durch den Wilden Westen. Die FR rätselt mit Susanne Kaiser in "Witch Hunt", wer hinter einer Reihe von Cyber-Attacken steckt und ruft feministische Hackerinnen zu Hilfe. Dlf Kultur fährt mit Julia Wong, einem indo-chinesischen Mädchen mit vielen Namen und Alexander von Humboldt zur See. 

Mittwoch, 10.06.2026

9punkt - Die Debattenrundschau

Das ist krass dystopisch

10.06.2026 Der Digital Services Act (DSA) ist wirkungslos, solange die großen Onlineplattformen ihre Transparenzpflichten unterlaufen, erklärt in der FAZ der Informatiker Simon Mayer. Wie der Ukrainekrieg das Wohlstandsgefälle in Russland verstärkt, berichtet die NZZ. Das neue Sicherheitspaket 2.0 ist das Aus für Anonymität im Netz, kritisieren in netzpolitik Sebastian Marg und Tom Jennissen von der Digitalen Gesellschaft. Volker Beck und Meron Mendel diskutieren die geplanten Yad-Vashem-Dependancen in Deutschland. Die Zeit empört sich über einen KI-Avatar der Holocaust-Überlebenden Jeanette Wolff, den die SPD hat erstellen lassen.

Efeu - Die Kulturrundschau

Wo ist Alf, wenn man ihn braucht

10.06.2026 Angela Schanelec hat ihren neuen Film "Meine Frau weint" mit Schauspielern besetzt, die keine deutschen Muttersprachler sind - für die taz Zeugnis einer wunderbaren Befremdung. Spielbergs "Disclosure Day" wiederum feiert laut Welt die heilende Kraft der Empathie bei der Begegnung mit Außerirdischen. Eine Zürcher Ausstellung zeigt laut NZZ, wie man in der Gegenwart mit Kunst aus der Kolonialzeit umgehen kann. Außerdem jede Menge Verdi: Die FAZ tanzt in Garsington mit einer "La Traviata" auf dem Vulkan, Van begegnet in einem Amsterdamer "Simon Boccanegra" archaischer Wucht. 

Bücherschau des Tages

Gruppenfoto einer Provinzstadt

10.06.2026 Die SZ lobt Diarmaid MacCullochs Buch über die Sexualgeschichte des Christentums, das mit "einer gewissen Leichtherzigkeit" daherkommt. Die FR lässt mit Richard Mabeys Plädoyer für den Wildwuchs überall Holunder sprießen. Die FAZ versucht mit Valérie Perrin und ihrer Heldin Agnès herauszufinden, warum Tante Colette zweimal gestorben ist. Dlf Kultur lernt mit Christine Webbs Buch "Der arrogante Affe" Demut vor der Natur. 

Donnerstag, 11.06.2026

Efeu - Die Kulturrundschau

Hier darf sich alles mit allem kreuzen

11.06.2026 Es gibt kaum noch Debütromane von jungen Männern, stellt die Zeit fest. Derweil schreiben junge Schriftstellerinnen auffallend oft über Gewalt durch Männer, sekundiert die SZ. Der Guardian feiert in London den Geist der Pariser Sechziger mit Werken des argentinischen Kinetik-Künstlers Julio Le Parc. Nachdem der israelische Regisseur Nadav Latif vom Festival FID Marseille ausgeschlossen wurde, solidarisieren sich viele Künstler mit ihm, atmet die FAZ auf. Gebaut wird nicht, was Bürger sich wünschen, entnimmt die Welt dem jüngsten Baukulturbericht.

9punkt - Die Debattenrundschau

Das Leben in Wahrheit

11.06.2026 Im Perlentaucher prangert Eva Illouz die Annäherung eines wichtigen Teils des Linken an den Faschismus an. In der SZ erzählt die Dokumentarfilmerin Lena Karbe von den inneren Emigranten in Russland. Unsere Nachbarn sähen die Aufrüstung Deutschlands mit mehr Wohlgefallen, wäre sie nicht vom Aufstieg der AfD begleitet, konstatiert die FAZ. In der FR erklärt die Autorin Veronika Kracher, wie Antifeminismus und Antisemitismus zusammenhängen. In der NZZ erzählt Christian Brönimann, warum er seine ehemalige Transidentität als Nadja nicht auslöscht.

Bücherschau des Tages

reim von weh und reh

11.06.2026 Die SZ liest Bücher über sehr wütende Frauen und lobt besonders Clara Leinemanns Roman "Gelbe Monster" über eine junge Frau, die zuschlägt. Die FAZ erfährt von Tobias Escher, wie KI und Big Data den Fußball verändern. Brillant findet der Dlf, wie Nathan Devers in seinem autobiografischen Essay von seiner Abkehr vom orthodoxen Judentum erzählt. Und der Dlf Kultur kann nur bewundern, wie viel Hoffnung die Lyrikerin Dorothea Grünzweig trotz aller Düsternis spendet.

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